Der Ackerfuchsschwanz (Alopecurus myosuroides) ist das Problemunkraut Nummer eins im deutschen Wintergetreide. 400.000 Hektar sind in Deutschland bereits stark befallen¹ – Tendenz steigend. Was können Landwirte noch tun?
Das Resistenzproblem
Metabolische Resistenz dominiert
Anders als bei einfachen Targetsite-Resistenzen ist beim Ackerfuchsschwanz in Deutschland die metabolische Resistenz vorherrschend.² Das bedeutet:
- Die Pflanze baut Wirkstoffe schneller ab
- Betrifft mehrere Wirkstoffgruppen gleichzeitig
- Entwickelt sich schleichend über Jahre
- Lässt sich schwerer vorhersagen
In einigen Regionen wirken nur noch einzelne Herbizide gegen dieses Ungras.²
Welche Wirkstoffe sind betroffen?
| Wirkstoffgruppe | HRAC | Resistenzlage |
|---|---|---|
| ACCase-Hemmer (FOPs, DIMs) | A | Stark betroffen |
| ALS-Hemmer (Sulfonylharnstoffe) | B | Stark betroffen |
| Chloracetamide | K3 | Beginnend |
| Flufenacet | K3 | Noch wirksam |
Was noch wirkt
Flufenacet-Kombinationen
Der Wirkstoff Flufenacet zeigt noch gute Wirkung, sollte aber immer in Kombination eingesetzt werden:
- Flufenacet + Diflufenican (Herbst)
- Flufenacet + Prosulfocarb
- Sequenzbehandlung mit verschiedenen HRAC-Gruppen
Prosulfocarb
In Tankmischung mit anderen Wirkstoffen noch effektiv, aber:
- Nur im Vorauflauf bis frühen Nachauflauf
- Witterungsabhängig
- Abdriftgefahr beachten
Luximo: Die Hoffnung für 2026/27
Was ist Luximo?
BASF hat mit Luximo (Wirkstoff: Cinmethylin) einen neuen Wirkmechanismus entwickelt:³
| Eigenschaft | Details |
|---|---|
| Wirkstoff | Cinmethylin |
| Wirkmechanismus | Fettsäure-Biosynthese-Hemmer (HRAC 30) |
| Anwendung | Vorauflauf, früher Nachauflauf |
| Zielkulturen | Winterweizen, Wintergerste |
| Status | Zulassung erwartet Herbst 2026/2027 |
Warum ist das bedeutsam?
Cinmethylin hat einen völlig neuen Wirkmechanismus – der erste seit über 30 Jahren für Ungräser. Da keine Kreuzresistenzen zu bestehenden Wirkstoffen vorliegen, sollte er auch gegen metabolisch resistente Populationen wirken.
Wichtig: Auch Luximo muss in ein Resistenzmanagement eingebunden werden, um die Wirksamkeit langfristig zu erhalten.
Ackerbauliche Maßnahmen
Herbizide allein lösen das Problem nicht. Die Leitlinien zum integrierten Pflanzenschutz empfehlen:⁴
1. Fruchtfolge erweitern
- Sommerungen einbauen (Sommergerste, Mais, Rüben)
- Winterraps als Blattfrucht nutzen
- Kleegras oder Luzerne als Ackerfutter
2. Bodenbearbeitung optimieren
- Pflug: Einmalig pflügen kann Samenpotenzial auf 10% reduzieren
- Flache Bearbeitung: Ausfallsamen zum Keimen bringen, dann bekämpfen
- Stoppelmanagement: Direkt nach Ernte bearbeiten
3. Späte Aussaat
Jede Woche spätere Aussaat im Herbst kann den Ackerfuchsschwanzbesatz um 20-30% reduzieren.⁵
4. Konkurrenzstarke Sorten
- Höhere Saatstärke (10-15% mehr)
- Konkurrenzkräftige Sorten wählen
- Enger Reihenabstand
Resistenztest: Wissen statt raten
Bevor Sie wahllos spritzen, lohnt sich ein Resistenztest:
- Kosten: ca. 100-150 € pro Probe
- Dauer: 3-4 Wochen
- Ergebnis: Wissen, welche Wirkstoffe noch wirken
Anbieter: Landwirtschaftskammern, LfL Bayern, Universitäten
Fazit: Integriert bekämpfen
Der Kampf gegen resistenten Ackerfuchsschwanz erfordert eine Kombination aus Chemie und Ackerbau:
- Resistenztest machen
- Fruchtfolge erweitern
- Saattermin anpassen
- Wirkstoffe wechseln (verschiedene HRAC-Gruppen)
- Auf Luximo-Zulassung warten
Letzte Aktualisierung: Februar 2026. Nutzen Sie unsere Produktsuche, um zugelassene Herbizide für Ihre Region zu finden.
Quellen
¹ IVA - Ackerfuchsschwanz wird zunehmend resistent ↗ ² Bayer CropScience - Resistenzen: Die unsichtbare Gefahr ↗ ³ top agrar - BASF neue Pflanzenschutzmittel 2026 ↗ ⁴ NAP - Leitlinien Integrierter Pflanzenschutz ↗ ⁵ agrarheute - Ackerfuchsschwanz Resistenztest ↗