Während konventionelle Spritzen den gesamten Acker behandeln, erkennt Spot Spraying einzelne Unkräuter und sprüht nur dort. Das Ergebnis: 65-90% weniger Herbizide¹ – und trotzdem saubere Bestände.
So funktioniert's
Kamera + KI = Präzision
Moderne Spot-Spraying-Systeme arbeiten mit:
- Hochgeschwindigkeitskameras erfassen das Feld in Echtzeit
- KI-Algorithmen unterscheiden Kulturpflanze von Unkraut
- Einzeldüsen sprühen nur bei erkanntem Unkraut
- Reaktionszeit unter 20 Millisekunden
Die KI wurde mit Millionen von Bildern trainiert und erkennt auch teilweise verdeckte Unkräuter.
Welche Systeme gibt es?
| System | Hersteller | Arbeitsbreite | Fahrgeschwindigkeit |
|---|---|---|---|
| ARA | Ecorobotix | 6 m | 7-12 km/h |
| See & Spray | John Deere | 36 m | bis 19 km/h |
| WEED-IT | Rometron | variabel | bis 20 km/h |
| XPOWER | Amazone | 27 m | bis 12 km/h |
Die Zahlen: Soviel können Sie sparen
Herbizid-Einsparung
In Praxisversuchen wurden folgende Einsparungen dokumentiert:¹
| Kultur | Einsparung | Bedingung |
|---|---|---|
| Zuckerrüben | 70-90% | Reihenkulturen optimal |
| Mais | 65-85% | Bei niedrigem Unkrautdruck |
| Getreide | 50-70% | Flächige Verunkrautung schwieriger |
| Salat/Gemüse | bis 90% | Feldversuche AgrIQnet² |
Wassereinsparung
- Konventionell: 200+ l/ha Wasser
- Spot Spraying: 40-50 l/ha
Rechenbeispiel: 500 ha Betrieb
| Position | Konventionell | Spot Spraying |
|---|---|---|
| Herbizidkosten/Jahr | 75.000 € | 15.000 € |
| Einsparung/Jahr | - | 60.000 € |
| Systemkosten (Leasing) | - | 25.000 €/Jahr |
| Netto-Ersparnis | - | 35.000 €/Jahr |
Anbieter in Deutschland
Ecorobotix ARA
Das Schweizer System ist über zwei Partner erhältlich:³
- Nord: Agravis Raiffeisen AG
- Süd: Eder Landtechnik GmbH
Vorteile:
- Nachrüstbar auf vorhandene Spritzen
- Kompaktes 6m-Modul
- Bewährt im Schweizer Markt
John Deere See & Spray
- Integriert in neue Spritzen
- Größere Arbeitsbreiten (36m)
- Teurer, aber schneller
Amazone XPOWER
- Hybrid: Spot-Spraying + elektrische Unkrautbekämpfung
- Bis 27m Arbeitsbreite
- Noch begrenzt verfügbar
Wann lohnt es sich?
Spot Spraying ist sinnvoll bei:
- Großen Flächen (ab 200-300 ha)
- Mittlerem bis niedrigem Unkrautdruck
- Reihenkulturen (Rüben, Mais, Gemüse)
- Hohem Herbizidverbrauch aktuell
- Biodiversitätsauflagen (Schutzgebiete)
Weniger geeignet bei:
- Sehr kleinen Flächen (hohe Fixkosten)
- Extrem hohem Unkrautdruck (>80% Deckung)
- Überwiegend Gräsern im Getreide
Rechtliche Vorteile
Düngeverordnung & Wasserschutz
In Wasserschutzgebieten und roten Gebieten kann Spot Spraying helfen:
- Weniger Wirkstoffeintrag in Gewässer
- Dokumentierbare Reduktion
- Mögliche Ausnahmen bei Auflagen
EU Green Deal
Die EU fordert 50% weniger Pestizide bis 2030. Spot Spraying ist eine technische Lösung, die diese Ziele realistisch macht.
Praxistipps
1. Langsam anfangen
- Erst eine Kultur testen (z.B. Zuckerrüben)
- Vergleichsfläche anlegen
- Ergebnisse dokumentieren
2. Kombination planen
Spot Spraying ersetzt nicht alle Behandlungen:
- Vorauflauf weiterhin flächig
- Nachauflauf gezielt mit Spot Spraying
- Fungizide/Insektizide normal
3. Kamerakalibrierung
- Regelmäßig Kamerasystem prüfen
- Neue Unkrautarten anlernen
- Software-Updates einspielen
Fazit: Die Zukunft ist präzise
Spot Spraying ist technisch ausgereift und wirtschaftlich sinnvoll – besonders für größere Betriebe. Die Einsparungen bei Pflanzenschutzmitteln können die Investitionskosten innerhalb weniger Jahre amortisieren.
Empfehlung: Lassen Sie sich von einem Anbieter ein individuelles Angebot erstellen und rechnen Sie mit Ihren Flächen nach.
Letzte Aktualisierung: Februar 2026. Nutzen Sie unsere Produktsuche, um zugelassene Mittel für Ihr Spot-Spraying-System zu finden.
Quellen
¹ agrarheute - Wie praxisreif ist Smart Spraying? ↗ ² riffreporter - Spot Spraying in der Praxis ↗ ³ IVA - Spot Farming: Weniger Ressourceneinsatz ↗